Folge 99: Auszüge aus der Schulchronik: Schulumbau 1958
Undatierte handschriftliche Notizen von Hauptlehrer Johann Lutterbeck:
„Unsere gute alte Schule - 1891 nach einem preußischen Einheitstyp erbaut, genügte seit langem den Anforderungen nicht mehr. Sie war dunkel und unfreundlich, denn nur die Nordseite trug Fenster. Große, ewig qualmende Ofen standen in allen Klassen und erwärmten sie nur unzureichend. Seit langem war ein Umbau beziehungsweise Neubau geplant, aber es fehlten die erforderlichen Mittel. Endlich war es aber soweit. Land, Kreis und Gemeinde beteiligten sich finanziell, die Gemeinde unter großen Opfern und unter Zurückstellung anderer wichtiger Vorhaben – so daß mit Beginn der Sommerferien 1957 die ersten Bauarbeiten begonnen werden konnten. Das erste war die Anbringung eines neuen Dachstuhls mit neuer Beziegelung. Die alten Balken waren an vielen Stellen morsch und wurmzerfressen.
So groß die Freude über den Beginn der Umbauarbeiten auch war, so nachteilig und unzureichend war nun der Unterricht, der in dem ermieteten Saale (auch Kegelbahn) der bisherigen Gaststätte Esser durchgeführt werden musste. Der Umzug dorthin wurde mit Pferdewagen und Traktoren, die kostenlos von Einwohnern gestellt wurden, vollzogen, denn Bänke, Tische, Tafeln, Schränke, alles musste mitwandern. Es war Winterzeit geworden, und die Kinder wie Lehrpersonen brachten die Zeit vom 9.9.1957 bis zum 31.1.1958 in der vorgenannten Notbleibe zu. Kalt und zugig waren Tanzsaal und Kegelbahn, aber es ging recht und schlecht, wenngleich Kinder und Lehrpersonen oft im Mantel dort zubringen mussten.
Mittlerweile hatte unsere Schule ein modernes und lichtes Aussehen erhalten. Die vorhandenen Fenster wurden größer gebrochen die Südseite erhielt ebenfalls Fenster und ein neues, steinernes Treppenhaus wurde geschaffen. Vom Altbau blieben nur noch die Außenmauern stehen. Sie wurden mit neuen Betondecken versehen. Alle Klassen erhielten freudige Wandfarben, moderne Beleuchtung und Wasserbecken.
Zugleich bekam der ewig steinige Schulhof eine feste Decke. Dazu ist eine schöne Toilettenanlage mit Pausenhalle und ein Trinkbrunnen erstellt worden. Erfreulich war, daß wir nun eine feine Ölheizung bekamen und 3 der Klassen mit neuen, modernen Schulmöbeln ausgestattet wurden. Manches finanzielle Opfer haben sich die Gemeindeväter auferlegt, aber überall begegnete man der Meinung, daß für unsere Schulkinder das Beste gut genug sei.
Nachdem nun die Klassen rohe Zementböden hatten – Kunststoffplatten sollten noch folgen – zog es die Schulleitung vor, schon jetzt im Neubau zu unterrichten – und es ging ganz gut, wir waren wieder zuhause. Zwei Monate später war alles fertig und unser Heimatort um ein schönes Gebäude reicher. Kinder und Lehrpersonen waren es recht zufrieden, und dankens-werterweise ließen die Gemeindeväter außer neuer Wandschiebetafeln auch noch bunte, moderne Vorhänge zu Wohnlichkeitmachung aller Räume beschaffen.
Verschwunden sind nun die alten Öfen, 3-, 4- und 5-Sitzbänke sowie die alten Möbel und neuer freudiger Lerngeist konnte einziehen. Die Schule erhielt ein neues Gesicht.“
Quelle: Schulchronik Odendorf
Anmerkungen zum preußischen Schuleinheitstyp, der im 19. und frühen 20. Jahrhundert verbreitet war: Es ging dabei weniger um ein einziges festes Design, sondern um typische architektonische und funktionale Merkmale. Dazu gehörte eine klare, rechteckige Bauweise, meist zwei bis drei Stockwerke, mit einer strengen, oft symmetrischen Fassade mit gleichmäßigen Fensterreihen, die nach Süden oder Osten ausgerichtet waren. Alle Klassenräume hatten hohe Decken zur besseren Luftzirkulation und gingen von einem Hauptflur ab. Die Schuleingänge und die Klassenzusammensetzung waren nach Geschlechtern getrennt, häufig gab es sogar getrennte Gebäude für Jungen und Mädchen. Dekoration in irgendeiner Form war nicht üblich. Das pädagogische Denken war auf Frontalunterricht, Übersicht und Kontrolle angelegt. Alle Schüler arbeiteten in starren Sitzreihen am gleichen Thema zur gleichen Zeit.











