Folge 93: Bonner Krippenweg (1)
Das Katholische Bildungswerk Bonn hat eine Broschüre mit dem Thema „Weihnachtskrippen in 63 Bonner Kirchen und Kapellen“ herausgegeben. Sie beschreibt nicht nur die Krippen, sondern auch die Kirchen in den Dekanaten Bonn Mitte/Süd (14), Bonn Nord (18), Bonn Bad Godesberg (17) und Bonn Beuel (14). Die Vielzahl der Kirchen und Kapellen ist dabei bereits beeindruckend. Im Folgenden eine kurze Einführung in dieses Thema.
Krippen, meist in katholischen Kirchen aufgestellt, üben seit jeher eine große Anziehungskraft auf Kinder aus. Doch auch viele Erwachsene fühlen sich von ihnen besonders in der Weihnachtszeit magisch angezogen an und finden so den Weg in die Kirchen - und zum Kind in der Krippe. Dieses Krippenbrauchtum ist weit mehr als Sentimentalität oder Kitsch. Wer sich mit diesem Brauch näher auseinandersetzt, entdeckt eine erstaunliche Vielfalt in der Darstellung der Menschwerdung Jesu Christi. Krippen verleihen dem Weihnachtsevangeliums ein Gesicht und machen die biblische Botschaft auf eindrucksvolle Weise anschaulich. Text und figürliche Darstellung ergänzen sich in ihrer Ausdruckskraft.
Es gibt keinen festen Maßstab für die Bewertung von Kirchenkrippen. Ob kunstvoll gestaltet oder mit viel Liebe von Laien gefertigt – jede Krippe hat ihren eigenen Wert. Wichtig ist, dass sie Ehrfurcht vor dem Glaubensgeheimnis wecken, das sie symbolisieren. Und: man darf, ja man soll sogar lächeln, wenn man sie betrachtet.
Die frühesten Krippendarstellungen gehen auf das Lukasevangelium zurück: „Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt in der Krippe liegt“ (Lk2,12). Der Legende nach ließ Franz von Assisi im 13. Jahrhundert das weihnachtliche Geschehen in einer Grotte in Umbrien durch Figuren in Menschengestalt nachstellen, um den Glauben zu stärken. Im 17. Jahrhundert brachten Jesuitenmissionare die Krippentradition sogar bis nach Asien und Amerika. Im Barockzeitalter des 18. Jahrhunderts wurden prachtvolle Krippen in Fürstenhäusern als Repräsentationsobjekte genutzt.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts untersagte die damalige französische Besatzungsmacht im Rheinland das Aufstellen von Krippen in Kirchen. Als Reaktion darauf fanden Krippen zunehmend ihren Platz in Privathäuser. Auch Puppenbühnen griffen das biblische Thema auf – etwa das Hänneschen Theater und Millowitsch Theater in Köln. 1854 wurde in Bonn mit Stockpuppen das Stück „Drei Weisen aus dem Morgenland“ aufgeführt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden viele neue Kirchenkrippen neu angeschafft. In der Zeit des Kulturkampfes galten sie für die katholischen Rheinländer als Zeichen des Widerstandes gegen die überwiegend evangelisch geprägte preußische Regierung
Die Produktion von Krippenfiguren aus Terrakotta oder Gips in Serienfertigung führte zu erschwinglichen Preisen. Die damals günstigen Gipsfiguren sind heute begehrte Sammlerstücke. Die Tradition der Krippenbetrachtung reicht weit zurück. Schon Goethe besuchte im 18. Jahrhundert die berühmten neapolitanischen Krippen und berichtete darüber. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren in der Köln-Bonner Region „Krippchensgänge“ weit verbreitet - eine Tradition, die seit den 1990er Jahren wieder auflebt.
Quelle: Katholisches Bildungswerk Bonn, Weihnachtskrippen










