Folge 98: Auszüge aus der Schulchronik "Schule am Zehnthof"
Undatierte handschriftliche Notizen von Hauptlehrer Johann Lutterbeck:
„1914 bei der Mobilmachung wurde Hauptlehrer Schumacher als Landstürmer zur Bewachung des hiesigen Bahn-Brückenübergangs (Orbachstraße) einberufen. Dies war nur daher möglich, dass die Amtsverwaltung keinen Antrag auf Zurückstellung beziehungsweise Unabkömmlichkeit gestellt hatte. Nach kurzer Zeit kehrte Schumacher wieder in den Schuldienst zurück.
Am 2./3. Dezember 1914 kam hier der erste Lazarettzug an. Unser Krankenhaus wurde Lazarett. Der damalige Pfarrer Welter bat um Wäsche, Betten und Nahrungsmittel für die Verwundeten. Reichlich wurde gespendet. Vor Weihnachten zog der Lehrer Hans Jonen mit einigen Schulkindern durch alle Orte der Bürgermeisterei, um Liebesgaben für die Verwundeten zu sammeln. Die Sammler führten einen großen Erntewagen mit und kehrten hoch beladen zurück. Mehrere 100 Mark, viele Zentner Kartoffeln, Gemüse, Fleisch, Brot, zahlreiche Flaschen Wein, Geflügel, Zigarren und Zigaretten kamen zusammen. Bei einer Saalfeier am 20.12. 14 für die Verwundeten trug die Schule durch passende Deklamation und Lieder zur Verschönerung bei. Auch eine Bescherung der Kinder der Verwundeten wurde durchgeführt. Außerdem konnten die Schulkinder vor Weihnachten diesen Kindern durch viele Päckchen eine Freude bereiten.
Im März 1916 wurden für die 4. Kriegsanleihe in unserer Schule durch die Schulkinder 1100 Reichsmark gezeichnet. Vom Anfang des Rückmarsches unserer Truppen war das Schulgelände ständig belegt, so dass kein Unterricht stattfinden konnte. Die Besatzungstruppen folgten der deutschen Wehrmacht, räumten aber nach kurzer Zeit wieder die Schule. Den 4. Schulsaal benutzen die Besatzungstruppen als Unterrichtsraum. Sie machte sich kaum bemerkbar und störten in keiner Weise den Unterricht der Kinder.
Das Jahr 1933 (30. Januar) sah in unserem Vaterlande die Machtübernahme durch die N.S.D.A.P. -Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Am 1. Mai 1933 wurde der neu gewählte Ortsbürgermeister Josef von Sturm eingeführt. Abends vorher traten Hauptlehrer Johann Lutterbeck und Lehrer Johannes Golla der Partei bei. Die Lehrerin Fräulein Pfeiffer weigerte sich und hatte infolgedessen manch unruhige Tage und Stunden verlebt, bis sie gezwungenermaßen die Kükenschar (Hitler Küken) = Mädchengruppe bis 10 Jahre übernahm. Bei einer Werbung für die Hitlerjugend, die als öffentliche Versammlung durchgeführt wurde, fehlte die Lehrerschaft. Der Redner des Tages sagte nach einem Zeitungsbericht, „wenn die Lehrerschaft abseits stehen wolle, habe es für sie 12 geschlagen.
1937 kam der Bruch seitens der Partei mit der Kirche. Aus der Schule wurde das Kreuz entfernt. Wer hatte es getan? Eines Morgens waren alle Kreuze aus den Schulsälen verschwunden.“
Hier endet der Auszug.
Johann Lutterbeck schrieb in seinen Aufzeichnungen: „Unser Krankenhaus wurde Lazarett“. Dazu möchten wir anmerken: Die alte kath. Pfarrkirche St. Petrus u. Paulus wurde bereits 1912 zweckentfremdet und als Krankenhaus umgebaut. Die Krankenpflege übernahmen zunächst Augustinerinnen. Außerdem leiteten die Schwestern einen Kindergarten und eine Nähschule für Mädchen. Der Chor der Kirche diente als Hauskapelle. Das abgetrennte Mittelschiff war mit einer Zwischendecke geteilt worden, das nördliche Seitenschiff neu überbaut. In den geschaffenen Zimmern wohnten die Nonnen, das Erdgeschoss beherbergte den Kindergarten und die Nähschule.
Während des Ersten Weltkrieges diente das Krankenhaus wie erwähnt als Spital für verwundete Soldaten.1920 übernahmen Franziskanerinnen die Verantwortung und überführten die Nutzung in Altenpflege.
Quelle: Schulchronik Odendorf











