Folge 97: Odendorfer Schullandschaft im Wandel
In den Kriegswirren des Zweiten Weltkriegs ging die erste Schulchronik der Schule am Zehnthof verloren. Nun ist dieser Schulname zumindest vorübergehend nicht mehr ganz aktuell, denn die Kinder werden im Containerblock „In der Freiheit“ in einem Ausweichquartier unterrichtet. Die alte Schule erwartet der Abriss, und der Neubau steht bevor. Noch ist einmal Zeit für einen Rückblick in die bestehende Chronik, die von Hauptlehrer Johann Lutterbeck mit undatierten Aufzeichnungen aus früherer Zeit begonnen wurde und die mit der Pensionierung von Rektor Heinrich Olzem zum Schuljahr 1989/1990 endet. Der nachstehende Auszug stammt aus den handschriftlichen Aufzeichnungen von Johann Lutterbeck.
„Im 18. Jahrhundert, in dem Zeitalter, von dem uns die Odendorfer Schulchronik, die 1929 von dem Hauptlehrer Johann Lutterbeck angelegt, aber von der Besatzungstruppen 1945 vernichtet wurde, erzählt, sorgten die wenigsten Staaten für die Errichtung von Schulen und Unterrichtung der Jugend.
Auch der Herzog von Jülich, zu dessen kleinem Staat Odendorf angehört, bezog Bau und Unterhaltung von Schulen, Unterrichtung und Erziehung der Knaben und Mädchen nicht in sein Aufgabengebiet ein, sondern überließ dies den Gemeinden und Kirchen. Die „Gemeindemänner“ von Odendorf, so nannte man die heutigen Gemeinderäte, wandten sich daher mit allen Kräften und größter Sorgfalt dem Schulverein zu.
Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts besaß Odendorf ein Schulgebäude. Höchstwahrscheinlich wurden die Kinder in dem Gebäude bei der Kirche unterrichtet, das heute noch als „Alte Schule“ bezeichnet wird und das gleichzeitig die Wohnung der Lehrer enthielt. Der Lehrer führte zugleich das Küster-Geschäft aus.
1776 war das Schulgebäude reparaturbedürftig. Es musste ein neuer Dachstuhl gebaut und neue Türen mussten hergestellt werden. Die Ausführung dieser Arbeiten übertrug man im Akkord dem Meister Christian Decker aus Oberdrees. Am 18.6.1776 waren die Arbeiten beendet. Der Statthalter Heinrich Bütgenbach, der zugleich Magister (Lehrer) und Küster von Odendorf war, rief durch Glockengeläut die Bürger zusammen und legte die Rechnung über die Bauarbeiten vor.
Nach dieser Rechnung wurden die Baumaterialien Lehm und Weidenholz zur Herstellung des Mauerwerks verwandt. Zwischen dem aus kräftigen Eichenstämmen errichteten Fachwerk des Schulgebäudes wurden aufrechtstehende Stücke befestigt, die man „Stückstecken“ nannte. Zwischen diesen Stecken befand sich dünne Stöcke und Reisig, und zwar aus biegsamem Weidengehölz geflochten. Dieses geflochtene Gehölz nannte man „Riffelsgerten“. Der Maurermeister stellt nun aus Lehm, dem geschnittenen Stroh beigemischt war, einen dicken Brei her, bewarf damit das Flechtwerk, und führte die Putzarbeiten aus. Das Dach des Odendorfer Schulgebäudes wurde mit Stroh gedeckt.
Jede Familie, soweit Hauseigentümer, musste kostenlos ein Quantum Stroh hergeben. Aus dem nahen sehr kleinen Dorf Essig, damals „Klosteressig“ und auch „auffem Essig“ genannt, besuchten auch die Kinder die hiesige Schule. Selbstverständlich mussten daher auch die Hauseigentümer von Essig zu den Baukosten beisteuern. Man stellte fest, dass unser Dorf sechsmal mehr Häuser hatte als Essig. Die Baukosten wurden nun einfach so verteilt, dass die Odendorfer 6/7 und Essig 1/7 der Kosten zu tragen hatten.
Drei Familien, die auf dem sogenannten „Rappelslehn“ wohnten und als Freiheit u.a. an die Gemeinde Odendorf weder Steuern noch Abgaben zu entrichten brauchten, mussten mit je 2 Gulden zu den Baukosten ihren Obolus entrichten. Die Kinder dieser Familie besuchten ebenfalls die Odendorfer Schule.
Am 11. September 1791 stiftete der „Gemeinsmann“ Johann Mömerzheim aus Odendorf 240 Reichstaler zu einer „freyen Schul“ für die Odendorfer Kinder, sowohl reiche als arme. Die Zinsen dieses Kapitals flossen dem Lehrer von Odendorf zu, damit er mit gleicher Liebe und Sorgfalt die Kinder unterrichtete, ob reich oder arm.“
Quelle: Schulchronik Odendorf










