Folge 96: Zur Geschichte des Karnevals (2)
Die Suche nach dem Karnevalsursprung führt uns auch tief in die deutsche Geschichte. Die früheste bekannte Erwähnung der „Fasnaht“ findet sich in Wolfram von Eschenbachs Epos „Parzival“ aus dem Jahr 1206. Er beschreibt Spiele, Tänze und Verkleidung in Dollnstein, Bayern.
Ein weiteres wichtiges Dokument ist die Speyerer Chronik von 1612. Sie berichtet von Fastnachtsunruhen im Jahr 1296. Dies bestätigt, dass Karnevalsbräuche schon im 13. Jahrhundert fest verankert waren.
Die Karnevalsgeschichte zeigt eine enge Verflechtung mit kirchlichen Traditionen. Im Mittelalter wurde die Fastnacht als Gegenpol zur christlichen Fastenzeit gesehen. Die Kirche duldete die ausgelassenen Fastnachtstradition. Sie sah darin eine Darstellung der „civitas diaboli“, des Teufel-Staats. Mit dem Aschermittwoch musste die närrische Zeit enden, um die Rückkehr Gottes zu symbolisieren.
Die Reformation stellte die Fastenzeit in Frage, was in protestantischen Regionen zum Verschwinden vieler Fastnachtstradition führte. Erst in den 1990er Jahren erlebte der Karneval dort eine Renaissance. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Karnevalskultur zu einer strukturierteren Form. Inspiriert vom venezianischen Karneval entstanden die sogenannten „Redouten“ - exklusive Masken und Kostümbälle für Adel und wohlhabendes Bürgertum. Diese Veranstaltungen markierten den Beginn einer neuen Ära der Karnevalsfeier.
Ein Meilenstein war die Gründung des „Festordnenden Komitees“ in Köln im Jahre 1823. Dieses Komitee organisierte den ersten Rosenmontagszug und legte damit den Grundstein für die heutige Form des rheinischen Karnevals. Die Gründung dieser ersten organisierten Karnevalsgesellschaft war ein exklusives Ereignis. Der Mitgliedsbeitrag von 3 Talern war für die damalige Zeit beachtlich hoch.
Köln ist das Herz der Karnevalskultur in Deutschland. Die Stadt begeht jährlich eine der größten Karnevalsfeiern weltweit. Im Eidbruch der Stadt Köln taucht 1341 erstmals das Wort „Fastelovend“ auf. Interessanterweise beschloss der Stadtrat im selben Jahr kein Geld mehr für das Fest auszugeben. Trotzdem entwickelte sich der Karneval weiter. Zur Entstehung des Dreigestirns sei gesagt, dass 1422 erstmals der Kölner Bauer erwähnt wird und 1570 die Kölner Jungfrau. Seit 1823 führt der „Held Karneval“, später Prinz Karneval genannt, den Kölner Karneval an. Das Dreigestirn tritt seit 1883 als Einheit auf und erhielt 1937 seinen offiziellen Namen.
Die Kölner Jungfrau ist eine Besonderheit des Dreigestirns. Traditionell wird diese Rolle von einem Mann verkörpert, was die humorvolle Natur des Karnevals unterstreicht. Heute gibt es in Köln etwa 160 Karnevalsgesellschaften, die jährlich rund 500 Sitzungen, Bälle und Umzüge gestalten. In Deutschland gibt es ca. 5300 Vereine dieser Art.
Die Schnapszahl Elf gilt historisch und nach altem Brauchtum als Narrenzahl und steht für Jux und Tollerei. Im Christentum wird die Zahl auch mit Sünde verbunden, da sie zwischen den biblisch bedeutsamen Zahlen Zehn (zehn Gebote) und Zwölf (zwölf Apostel) steht. Außerdem umfassten im 19. Jahrhundert viele Stadt- und Kommunalgremien in Deutschland zehn oder zwölf Mitglieder. Der "Elferrat" im Karneval gilt daher als ein ironischer Angriff auf diese politische Ordnung. Im Stadtwappen der Karnevalshochburg Köln erinnern zudem elf symbolische Tränen an die 11.000 Jungfrauen, die einer Legende nach die Stadtpatronin Ursula nach Köln begleiteten und tragisch zu Tode kamen.
Eine andere Erklärung ist, dass die Elf für die Gleichheit aller Narren stehen soll. Denn bei zwei Einsen nebeneinander hat keine Zahl einen höheren Wert als die andere. Wieder andere vermuten, die Elf im Karneval lehne sich an die Französische Revolution an. Deren Botschaft „Egalitär, Legalität, Fraternité“ – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – kann ebenfalls mit ELF abgekürzt werden.
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