Folge 95: Zur Geschichte des Karnevals (1)

Sammlung Zehnthaus • 9. Februar 2026

Während der Karnevalszeit galten im Mittelalter die normalen gesellschaftlichen Regeln nicht.
Abbildung: Ausschnitt aus dem Gemälde „Kampf zwischen Karneval und Fasten“ nach Hieronymus Bosch.
© KIK-IRPA, Brussels, Lizenz CC BY 4.0 
 

Die Wurzeln der Karnevalskultur reichen weit in die Geschichte zurück. Vor etwa 5000 Jahren entstand in Mesopotamien - als sich die ersten Städte entwickelten - eine frühe Form der Narrenzeit. In Babylon feierte man nach Neujahr ein ausgelassenes Fest, das sieben Tage andauerte. Die Menschen verkleideten sich als Dämonen und machten Lärm mit Trommeln und Schellen, um böse Geister zu vertreiben.

Bei diesen frühen Feiern galt das Gleichheitsprinzip. Für kurze Zeit wurden soziale Unterschiede aufgehoben. Sklaven und Herren feierten gemeinsam und tauschten dabei mitunter ihre Rollen. Dieser Gleichheitsgrundsatz ist auch heute ein wichtiger Bestandteil der Karnevalskultur. Die Narrenzeit breitete sich im Laufe der Zeit im gesamten Mittelmeerraum aus. In Ägypten feierte man zu Ehren der Göttin Isis, während in Griechenland dem Gott Dionysos gehuldigt wurde.


Die Römer feierten die Saturnalien zu Ehren ihres Gottes Saturn (lat. Saturnus). Diese Feste waren geprägt von öffentlichen Gelagen und farbenprächtigen Umzügen. Bei den römischen Umzügen wurden geschmückte Schiffswagen durch die Straßen gezogen. Das Werfen von Rosen könnte der Ursprung der heutigen Konfetti-Tradition sein. Ein besonderes Merkmal der Saturnalien war der Rollentausch zwischen Sklaven und Herren. Für kurze Zeit wurden soziale Normen auf den Kopf gestellt. Dieser Brauch spiegelt sich noch heute wider, wenn Menschen in andere Rollen schlüpfen und Hierarchien vorübergehend aufgehoben werden.


Im Mittelalter erlebten die Fastnachtstraditionen eine bemerkenswerte Entfaltung. Vom 12. bis zum 16. Jahrhundert entstanden die sogenannten „Narrenfeste“, die rund um den Epiphaniastag am 6. Januar gefeiert wurden. Diese Feiern fanden ihren Weg in die Kirchen, waren aber nicht kirchlich sanktioniert. Auch hier wurden zeitweilig die Rollen getauscht: Niedere Kleriker schlüpften in die Rollen höherer Geistlicher, was zu einer Umkehrung der üblichen Hierarchie führte. Kirchliche Rituale wurden parodiert, was den Geist des Karnevals widerspiegelte.

Die Stadtbevölkerung wurde durch bunte Prozessionen in die Feierlichkeiten miteinbezogen. Diese Umzüge waren Vorläufer der heutigen Karnevalsumzüge und trugen zur Verbreitung der Fastnachtstraditionen bei. Karnevalsmasken spielten dabei eine zentrale Rolle, sie ermöglichten den Teilnehmern, in andere Rollen zu schlüpfen und soziale Normen zu hinterfragen.


Ein bemerkenswertes Beispiel für die mittelalterlichen Fastnachtstraditionen war der Nürnberger Schembartlauf. Erstmals 1449 schriftlich erwähnt, entwickelte er sich zu einer beliebten Maskentanz-Tradition. Die Teilnehmer zogen durch die Stadt, verspotteten Bürger und spiegelten gesellschaftliche Zustände wider.


Diese mittelalterlichen Bräuche legten den Grundstein für viele der Karnevalstraditionen, die wir heute kennen

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von Sammlung Zehnthaus 6. Januar 2026
Ab den 1970er Jahren trat eine umfassende Rückbesinnung und Abkehr von der Kunst des 19. Jahrhunderts ein. Traditionelle Krippendarstellungen wurden durch modern gekleidete, bewegliche Künstlerfiguren ersetzt. Glücklicherweise blieben viele alte Kirchenschätze in den Gotteshäusern im Stadtdekanat Bonn erhalten, sodass sie zusammen mit moderner Kunst bis heute einen unschätzbaren Reichtum bilden. Im Rahmen dieser Entwicklung möchten wir die neue Stadtkrippe im Bonner Münster St. Martin vorstellen. Seit 2013 gibt es dort eine Wandelkrippe in zeitgenössischer Gestaltung. Die Umsetzung der anspruchsvollen Designidee war eine große Herausforderung – selbst für die Holzschnitzer aus Oberammergau. Die Krippe besteht aus zwölf beweglichen Gliederfiguren, die etwa 40 Zentimeter hoch sind. Der Körper ist als bewegliches Holzgestell gestaltet, während die Gliedmaßen aus Metall bestehen und mit Stoff umwickelt sind. Dargestellt werden Maria, Josef sowie zehn weitere Figuren, die in unterschiedlichen Szenen auftreten. Über die Advents- und Weihnachtszeit hinweg, oft bis Maria Lichtmess am 2. Februar, werden verschiedene biblische Szenen immer wieder neu zusammengestellt. Diese neue Stadtkrippe verortet die uralten Ereignisse rund um die Geburt Jesu in das heutige Bonner Stadtbild. In der Darstellung erscheinen keine Hirten, Ochs, Esel oder Schafe – vielmehr sind es moderne Menschen, die vor einem mit Computertechnik gestalteten Stadtpanorama ihren gewohnten Beschäftigungen nachgehen. Das städtische Alltagsleben wird hier mit den weihnachtlichen Geschehnissen verschmolzen. Selbst das Aussehen der biblischen Figuren, etwa die Bekleidung und Frisur von Maria und Josef, ist eher modern gehalten. Die Kulisse zeigt markante Bonner Bauwerke, darunter das Rathaus, die Hauptpost und die Universität. Hoch aufragend erscheinen im Hintergrund das Münster und der Post Tower vor einem nachtblauen Himmel. In diesem beeindruckenden Arrangement spielt sich das tägliche Stadtleben ab. Ein Detailbild der Herbergssuche zeigt Maria und Josef bei ihrer Ankunft im nächtlichen Bonn am Busbahnhof, wo sie offenbar eine Unterkunft suchen. In weiteren Szenen werden ankommende Asylsuchende sowie Obdachlose und gesellschaftlich ausgegrenzte Menschen dargestellt, die oft an diesem Ort verweilen. Die Geburtsszene ist in ein einfaches Zelt integriert, und staunende Bonner kommen herbei, um sich zu vergewissern, dass der Erlöser der Menschheit geboren wurde. Am 6. Januar haben schließlich auch die Heiligen Drei Könige ihren Weg zur Krippe gefunden. Die neue Bonner Stadtkrippe ist somit sehr ungewohnt und als solche einzigartig im Vergleich zu den übrigen 63 Bonner Krippen. Die Darstellung bietet eine vielfältige Mischung aus Religion und Theologie, Geschichte und Kunst, Freude und Ruhe - und vielleicht auch die Möglichkeit, sich selbst wiederzufinden. Quelle: Katholisches Bildungswerk Bonn, Weihnachtskrippen
von Sammlung Zehnthaus 20. Dezember 2025
Das Katholische Bildungswerk Bonn hat eine Broschüre mit dem Thema „Weihnachtskrippen in 63 Bonner Kirchen und Kapellen“ herausgegeben. Sie beschreibt nicht nur die Krippen, sondern auch die Kirchen in den Dekanaten Bonn Mitte/Süd (14), Bonn Nord (18), Bonn Bad Godesberg (17) und Bonn Beuel (14). Die Vielzahl der Kirchen und Kapellen ist dabei bereits beeindruckend. Im Folgenden eine kurze Einführung in dieses Thema. Krippen, meist in katholischen Kirchen aufgestellt, üben seit jeher eine große Anziehungskraft auf Kinder aus. Doch auch viele Erwachsene fühlen sich von ihnen besonders in der Weihnachtszeit magisch angezogen an und finden so den Weg in die Kirchen - und zum Kind in der Krippe. Dieses Krippenbrauchtum ist weit mehr als Sentimentalität oder Kitsch. Wer sich mit diesem Brauch näher auseinandersetzt, entdeckt eine erstaunliche Vielfalt in der Darstellung der Menschwerdung Jesu Christi. Krippen verleihen dem Weihnachtsevangeliums ein Gesicht und machen die biblische Botschaft auf eindrucksvolle Weise anschaulich. Text und figürliche Darstellung ergänzen sich in ihrer Ausdruckskraft. Es gibt keinen festen Maßstab für die Bewertung von Kirchenkrippen. Ob kunstvoll gestaltet oder mit viel Liebe von Laien gefertigt – jede Krippe hat ihren eigenen Wert. Wichtig ist, dass sie Ehrfurcht vor dem Glaubensgeheimnis wecken, das sie symbolisieren. Und: man darf, ja man soll sogar lächeln, wenn man sie betrachtet. Die frühesten Krippendarstellungen gehen auf das Lukasevangelium zurück: „Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt in der Krippe liegt“ (Lk2,12). Der Legende nach ließ Franz von Assisi im 13. Jahrhundert das weihnachtliche Geschehen in einer Grotte in Umbrien durch Figuren in Menschengestalt nachstellen, um den Glauben zu stärken. Im 17. Jahrhundert brachten Jesuitenmissionare die Krippentradition sogar bis nach Asien und Amerika. Im Barockzeitalter des 18. Jahrhunderts wurden prachtvolle Krippen in Fürstenhäusern als Repräsentationsobjekte genutzt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts untersagte die damalige französische Besatzungsmacht im Rheinland das Aufstellen von Krippen in Kirchen. Als Reaktion darauf fanden Krippen zunehmend ihren Platz in Privathäuser. Auch Puppenbühnen griffen das biblische Thema auf – etwa das Hänneschen Theater und Millowitsch Theater in Köln. 1854 wurde in Bonn mit Stockpuppen das Stück „Drei Weisen aus dem Morgenland“ aufgeführt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden viele neue Kirchenkrippen neu angeschafft. In der Zeit des Kulturkampfes galten sie für die katholischen Rheinländer als Zeichen des Widerstandes gegen die überwiegend evangelisch geprägte preußische Regierung Die Produktion von Krippenfiguren aus Terrakotta oder Gips in Serienfertigung führte zu erschwinglichen Preisen. Die damals günstigen Gipsfiguren sind heute begehrte Sammlerstücke. Die Tradition der Krippenbetrachtung reicht weit zurück. Schon Goethe besuchte im 18. Jahrhundert die berühmten neapolitanischen Krippen und berichtete darüber. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren in der Köln-Bonner Region „Krippchensgänge“ weit verbreitet - eine Tradition, die seit den 1990er Jahren wieder auflebt. Quelle: Katholisches Bildungswerk Bonn, Weihnachtskrippen
von Stephan Eisel 3. Dezember 2025
Der Bonner Orchestermusiker Johann van Beethoven hatte schon länger vor, seinen talentierten Sohn Ludwig bei Musikliebhabern in der Region zu präsentieren. Dazu bot sich die Möglichkeit, als sich Kurfürst Maximilian Friedrich im Sommer 1781 als Fürstbischof in Münster aufhielt und erst am 11. September nach Bonn zurückkehrte. In dieser Zeit hatten die in Bonn zurückgebliebenen Orchestermusiker nur einen reduzierten Dienst. Der 41-jährige Johann van Beethoven nutzte diese Gelegenheit und begab sich mit dem zehnjährigen Ludwig und seinem Orchesterkollegen, Mitbewohner und Verwandten seiner Frau, Franz Georg Rovantini (24), auf eine kleine Rundreise. Darüber wissen wir aus den Erinnerungen des Bäckermeisters Fischer Bescheid. Sein Vater war der damalige Vermieter für die Familie Beethoven in der Bonner Rheingasse. Nach Fischer kommentierte Johanns Frau Maria Magdalena, also die Mutter von Ludwig van Beethoven, die Reise mit der trockenen Bemerkung: „Dan mann ist mal gern von der große unruhe der Mannsbilder befreit, so kann mann sich dan getz im stille sich wieder was erhohle, das mir sehr angenehm ist.“ Die Stationen der zunächst links- und dann rechtsrheinischen Besuche rund um Bonn wählte Johann van Beethoven danach aus, dass die besuchten Musikliebhaber ein Klavier besaßen. Schließlich sollte der zehnjährige Ludwig sein Talent auf den Tasten zeigen. Die Beethovens wollten mit ihren Besuchen ausdrücklich kein Geld verdienen, sondern denen die Reverenz erweisen, die auch öfter nach Bonn kamen, um dort am Musikleben teilzunehmen. Der erste der besuchten Musikfreunde war der 1719 geborene Burgherr in Flamersheim (heute ein Ortsteil von Euskirchen) Friedrich Wilhelm Freiherr von Dalwigk, der am Bonner Hof ein und aus ging. Von Flamersheim ging es zum „Pastor Olef“ in Euskirchen, einem Jugendfreund von Johann van Beethoven. In den Erinnerungen von Bäckermeister Fischer heißt es dann: „Von da aus ginnge sie bey Herr Pastor Deck in der Pfarr O[d]endorf, der war der Haußfrau Fischer ihr Herr Schwager, Musickfreünd war, wo sie auch Ehr empfinnge.“ Hilger Joseph Dick war in Odendorf 1767–1810 Pfarrer. Seine Schwester Anna Gudula hatte 1763 Carl Joseph Rheindorf geheiratet, den Bruder von Susanna Fischer geb. Rheindorf, der Ehefrau von Theodor Fischer, Beethovens Vermieter in der Bonner Rheingasse. Ein Bruder des Pfarrers war Wilhelm Heinrich Dick, Gutsbesitzer und Schultheiß im benachbarten Oberdrees. Dorthin – das Gut gehörte damals wohl noch dem Vater der Geschwister, Jodokus Dick, – reiste die kleine Musikergruppe als nächstes. Von Oberdrees ging es dann weiter nach Ahrweiler und von dort weiter nach Ersdorf zu einem weiteren (entfernten) Verwandten von Susanna Fischer. Nach Bonn kehrte die kleine Reisegruppe dann über Stationen in Röttgen und Poppelsdorf zurück. Beide waren damals selbstständige Dörfer. Dieser linksrheinischen Rundreise schloss sich einige Tage später ein rechtsrheinischer Teil an, der über Oberkassel nach Hennef und dann nach Bensberg und Siegburg führte. Wie lange die kleine Rundreise zu den Musikfreunden in der Region genau gedauert hat, ist nicht festzustellen. Sie muss aber sehr erfolgreich gewesen sein. Die Musiker wurden überall mit „viell Ehr“ empfangen und berichteten nach den Erinnerungen von Bäckermeister Fischer: „wier haben ville vergnügen gehabt, sind wider auf das künftige Jahr, wenn es uns Gott es uns noch erlebe laße, wider hänndig, trinngent [flink, behende, dringend] eingeladen.“  Weitere Informationen zur Rundreise finden sich in: Stephan Eisel, Beethoven – Die 22 Bonner Jahre, Bonn 2020. Aus diesem Buch stammt auch die hier wiedergegebene Karte.
von Sammlung Zehnthaus 14. November 2025
Die Einführung des Volkstrauertages in Deutschland geht im Wesentlichen auf Initiativen aus dem gesellschaftlichen Raum zurück, insbesondere auf den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Der Volksbund ist eine humanitäre Organisation, die sich im Auftrag der Bundesregierung der Aufgabe widmet, Kriegstote im Ausland zu suchen und zu bergen, sie würdig zu bestatten und ihre Gräber zu pflegen. Dieser Gedenktag erinnert nicht nur an die gefallenen Soldatinnen und Soldaten, sondern auch an die zivilen Opfer von Kriegshandlungen, Vertreibung und Unterdrückung. Zugleich mahnt er uns, Verantwortung für Frieden, Demokratie und Menschlichkeit in der Gegenwart zu übernehmen. Der Volksbund betreut Angehörige und berät öffentliche und private Stellen in Fragen der Kriegsgräberfürsorge, auch international. Er engagiert sich in der Erinnerungskultur, fördert die Begegnung und Bildung junger Menschen an den Ruhestätten der Toten. Die Finanzierung erfolgt durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Bereits vor der Verabschiedung der Weimarer Verfassung 1919 gab es Bemühungen, einen Tag der nationalen Trauer zum Gedenken an die Kriegsopfer einzuführen. Trotz wiederholter Anläufe gelang es auch in der Weimarer Republik zunächst nicht, hierfür eine gesetzliche Regelung zu schaffen. 1922 forderte der Volksbund mit Unterstützung zahlreicher kirchlicher und gesellschaftlicher Organisationen erneut die Einführung eines Volkstrauertages. Da eine gesetzliche Regelung auch diesmal nicht zustande kam, veranstaltete der Volksbund im gleichen Jahr im Reichstagsgebäude in Berlin erstmals eine Gedenkstunde zur Versöhnung und Verständigung zwischen den Völkern. 1925 nahm der Reichstag formal den Antrag an, den Sonntag vor Beginn der Fastenzeit (Invokavit) zum Volkstrauertag für die Gefallenen der Weltkriege gesetzlich festzulegen. Ein Jahr später wurde der Volkstrauertag regelmäßig am fünften Sonntag vor Ostern (Reminiscere) in fast allen Ländern des Deutschen Reiches begangen. Bis 1932 fanden die Zentralveranstaltungen im Sitzungssaal des Reichstagsgebäudes statt. 
von Sammlung Zehnthaus 30. Oktober 2025
Der Monat November ist in vielerlei Hinsicht ein Monat des Gedenkens. Er beginnt am 1. November mit einem Hochfest der katholischen Kirche: Allerheiligen. Hochfeste sind die höchsten Feste der katholischen Kirche. Sie rücken zentrale Glaubensinhalte oder bedeutende Heilige in den Mittelpunkt und haben Vorrang vor allen anderen kirchlichen Festen oder Gedenktagen. Heilige sind entweder Märtyrer, die wegen ihres Glaubens den Tod erlitten oder Menschen, die ein besonders überzeugtes christliches Leben führten oder als Wundertäter verehrt wurden. Bereits seit dem ersten Jahrtausend gibt es die förmlichen Heiligsprechungs-verfahren, - Kanonisation -, durch die Personen zu „Ehren der Altäre“ erhoben werden. Das bedeutet, dass ihre sterblichen Überreste in oder unter Altären in Kirchen aufbewahrt und verehrt werden. Insgesamt kennt die katholische Kirche über 7.000 Märtyrer und fast ebenso viele Heilige und Selige. Für sie alle wird das Fest Allerheiligen gefeiert. Die Heiligenverehrung ist ein typisch katholisches Merkmal. Nur wenige Heilige sind allgemein bekannt oder besonders populär, etwa der heilige Sankt Martin, der heilige Nikolaus oder der heilige Franziskus. Die meisten hingegen kennt man weniger, und wer mehr über sie erfahren möchte sollte ein Heiligenlexikon zur Hand nehmen oder sie im Internet suchen. Dabei stößt man auf oft außergewöhnliche und mitunter auch befremdliche Lebensgeschichten, erfährt von besonderen Tugenden und erfährt von den Patronaten, die diese Heiligen übernehmen. In fast jeder katholischen Kirche finden sich Figuren von Heiligen, oft mit Heiligenschein und symbolischen Attributen dargestellt, eine Einladung zum Rätselraten. Heilige werden oft an ihrem Todestag verehrt. Ihre Verehrung bedeutet jedoch keine Anbetung, sondern die Würdigung ihres Lebens, die Anerkennung ihres vorbildlichen Handelns sowie die Bitte um ihre Fürsprache und ihren Beistand. Der geschichtliche Ursprung des Allerheiligenfestes liegt in der Weihe eines ehemaligen heidnischen Tempels in Rom. Das Pantheon, ein Bauwerk aus dem 2. Jahrhundert war früher allen Göttern des Heidentums geweiht. Im Jahr 609 ließ Papst Bonifatius IV. das Gebäude in eine Kirche umwandeln und einweihen - mit einem jährlichen Gedenktag am Freitag nach Ostern. Über ein Jahrhundert später weihte Papst Gregor III. eine Kapelle in der Petersbasilika allen Heiligen und legte das Fest auf den 1. November fest. Die Wahl dieses Datums hatte praktische Gründe: Nach der Ernte und Weinlesezeit standen ausreichend Lebensmittel zur Verfügung, um ein festliches Mahl auszurichten. Heute ist Allerheiligen auch ein Anlass, jener Menschen zu gedenken, die ein vorbildliches Leben führten, aber nicht offiziell als Heilige anerkannt wurden. Obwohl Allerheiligen ein christlicher Feiertag ist, wird er in Deutschland nicht in allen Bundesländern als Feiertag begangen. Nur in den überwiegend katholisch geprägten Ländern wie Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und im Saarland ist er gesetzlich geschützt. Allerheiligen gilt zudem als „stiller Feiertag“, um dem religiösen Charakter gerecht zu werden. Öffentliche Musik und Tanzveranstaltungen sind an diesem Tag untersagt. Nur einen Tag später, am 2. November, begehen katholischen Christen den Gedenktag Allerseelen, ein kirchlicher Feiertag, der dem Gedenken der Verstorbenen gewidmet ist. Mit ihm verbunden ist der Brauch der Gräbersegnung. Viele Menschen besuchen an diesem Tag die Ruhestätten ihrer Angehörigen. Allerheiligen und Allerseelen stehen somit in enger Beziehung zueinander, als Tage des Erinnerns, des Gedenkens und des stillen Gebets. Sammlung Zehnthaus
von Sammlung Zehnthaus 16. Oktober 2025
Die Schönheit und den unverwechselbaren Charakter des Bundeslandes zu erhalten, das ist seit 1986 Aufgabe der NRW-Stiftung. Die Gründung erfolgte durch die Landesregierung. Vorsitzender im Stiftungsrat heute ist Ministerpräsident Hendrik Wüst. Natur, Heimat, Kultur: Diesen Dreiklang zu bewahren, dafür setzt sich die Stiftung ein. Sie erwirbt deshalb schutzwürdige Flächen inmitten einzigartiger Landschaften. Wälder, Flussauen oder Berggipfel sollen auch künftig Refugien für seltene Tier- und Pflanzenarten sein. Auch von Menschen geschaffene Orte sind erhaltenswert. Was frühere Generationen erdachten, soll auch heute und morgen als Denkmal erlebbar bleiben. Geschichte wird greifbar – auf alten Zechenanlagen, auf prachtvollen Schlössern und traditionsreichen Bauernhöfen, aber auch inmitten sehenswerter Industriekultur, in restaurierten Bahnhofsgebäuden und Museen. Um all die historischen Orte kümmert sich die Stiftung nicht allein – sie lebt vom Engagement der Menschen in NRW. In Vereinen, Verbänden und Organisationen setzen sie sich seit jeher für die Natur und Kultur in ihrer Heimat ein. Sie stoßen Projekte an, die dann von der NRW-Stiftung gefördert werden. Finanziert wird die Arbeit durch zweckgebundene Zuwendungen des Landes Nordrhein-Westfalen. Hinzu kommen Spenden und Mitgliedsbeiträge des Fördervereins der NRW-Stiftung mit mehr als 8.500 Mitgliedern. Das Magazin der Stiftung informiert regelmäßig über neue Projekte und Ausflugsziele. Aus der Mitgliedschaft resultieren viele Vorteile, z.B. freien oder ermäßigten Eintritt in über 400 Museen. Hunderte Denkmäler, Landschaften und Gebäude sind äußerst sehenswert. Von den Zuwendungen der Stiftung profitierten seit ihrer Gründung bereits mehr als 3.700 Projekte im Naturschutz und in der Heimat- und Kulturpflege. Jede Entscheidung ist für die zuständigen Gremien eine schwierige Abwägung, denn mit ihren begrenzten Mitteln kann sie längst nicht jedes Vorhaben unterstützen. Sie muss Prioritäten setzen. Dennoch schüttete sie seit 1986 mehr als 300 Millionen Euro aus und hat so an vielen Orten in NRW nachhaltig Spuren hinterlassen. Dieses Engagement ist bundesweit einmalig. Nur in Nordrhein-Westfalen gibt es diesen ganzheitlichen Einsatz für Landschaften, Denkmäler und kulturelle Vielfalt gleichermaßen. 
von Sammlung Zehnthaus 12. September 2025
Schauen wir zurück auf die zeitliche Einordnung der Ereignisse. Von 135 bis 235 n.Chr. sind Inschriften zu verschiedenen Arbeitskommandos römischer Legionen bekannt. Die im Legationslager „Bonna“ stationierte 1. Legion mit dem Beinamen „Minerva“ war immer wieder in Iversheim eingesetzt. Am häufigsten war die 30. Legion mit den Beinamen „Ulpia Victrix“ beteiligt. Weiterhin ist bezeugt, dass die „Legion III „Cyrenaika“ hier von 260 bis 286 n.Chr. im Arbeitseinsatz war. Die Forschung geht davon aus, dass etwa 150 Jahre lang Kalk in verschiedenen Formen von Iversheim aus bis zu 200 Kilometer in alle Richtungen hin vertrieben wurde. Es ist davon auszugehen, dass im engeren Bereich der Fundstelle weitere Brennofenbatterien aufzufinden sind. Ab 300 n.Chr. ist eine weitere Kalkproduktion nicht mehr belegt.  Von welchem Personaleinsatz muss man ausgehen? Gefundene Inschriften erwähnen einen „Architectus“ und einen „Magister Calcariorum“. Ersterer war wohl der Spezialist für die Herstellung der Produktionsstätten bei der Legion und nur bei technischen Problemen im Einsatz. Letzterer war der technische Leiter der Kalkbrennerei. Die „Calcari“ waren besonders geschulte Soldaten des „Vexillatio, des Arbeitskommandos. Der „Signifer“ leitete als Vertreter des Kommandanten die Durchführung der unterschiedlichsten Aufgaben des Kommandos. Die Legionäre lebten in der Produktionsstätte.
von Sammlung Zehnthaus 12. August 2025
Die Chemie des Kalks und der Kalkkreislauf werden thematisch in der siebten Schulklasse behandelt. Bei einem Ausflug in die Römische Kalkbrennerei in Iversheim, dem musealen Ausbau einer antiken Kalkfabrik, kann man sein Wissen erweitern und den Produktionsprozess bestens kennenlernen. Das Bauwerk ist hervorragend erforscht und eine der bedeutendsten archäologischen Fundstätten aus der Römerzeit nördlich der Alpen. Als eingetragenes Bodendenkmal ist die Anlage seit 2021 Teil des UNESCO Welterbes Niedergermanischer Limes und damit auch ein Alleinstellungsmerkmal für den Kreis Euskirchen. Die Manufaktur ist nach Art und Größe eine europäische Rarität und in ihrer Bedeutung wohl nicht so ganz in das Bewusstsein der Bevölkerung gedrungen. 1966 entdeckte man die Stätte beim Bau einer modernen Wasserleitung eher zufällig am Westhang der Erft unterhalb des Steinbruchs Hohe Ley. Die noch heute sichtbaren Dolomit-Vorkommen gehören erdgeschichtlich ins Mitteldevon und sind vor ca. 390 Millionen Jahren entstanden. Insgesamt wurden 6 Brennöfen ausgegraben sowie Fragmente einer Kantine und Grundmauern eines Arbeitsgebäudes. Die Öfen sind als Batterieblock angelegt in Reichweite zum höher gelegenen Kalksandsteinbruch. Die Hanglage war gewählt worden, damit der Materialtransport aus dem Steinbruch kräftesparend auf die oberhalb der Öfen liegende Einfüllgalerie erfolgen konnte.
von Sammlung Zehnthaus 16. Juni 2025
1972 nahm nahe dem 10 Kilometer entfernten Effelsberg in einer Talsohle eine Nachfolgeanlage des Astropeilers ihren Betrieb auf. Mit einem Spiegeldurchmesser von 100 Metern war dies fast 30 Jahre lang das größte bewegliche Radioteleskop der Welt. Damit wurde die Forschungsstätte auf dem Stockert zunehmend unattraktiv, zumal nahegelegene Radarstationen die Messungen immer stärker beeinflussten. Dennoch nutzten die Universität Bonn und das Max-Planck-Institut für Radioastronomie die Station weiter für die praktische Ausbildung von Studenten. 1998 erfolgte der Verkauf der Anlage an einen privaten Investor, der u.a. das „Woodstockert“ Musikfestival durchführte. Nach Insolvenz des Unternehmens übernahm 2005 die Nordrhein-Westfalen-Stiftung als Eigentümer die lange vernachlässigte Anlage. Die Restaurierung wurde mit Mitteln der NRW-Stiftung energisch vorangetrieben, auch die Deutschen Stiftung Denkmalschutz hat einen Beitrag geleistet, denn seit 1999 steht die Anlage als Industriedenkmal unter Denkmalschutz. Die Übernahme durch die NRW-Stiftung hatte der 1995 gegründete Förderverein Astropeiler Stockert e.V. initiiert. Zielsetzung des Vereins ist es, die Radioastronomieanlage auf ehrenamtlicher Basis zu erhalten und weiterzuentwickeln, nach Möglichkeit Beiträge zu aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen zu liefern und der Öffentlichkeit die Bedeutung der Astronomie nahezubringen. In Zusammenarbeit mit Hochschullehrern bietet der Verein Ganztagsveranstaltungen an, die den Studenten der Physik die Grundlagen der Radioastronomie nahebringen sollen, insbesondere im Zusammenhang mit Vorlesungen zur Astronomie. Auch als außerschulischer Lernort ist die Anlage von Bedeutung. So werden Praktika für Schüler der Sekundarstufe I und II angeboten. Zentrale Punkte sind dabei die Durchführung von Messungen und von physikalischen Experimenten. Die Teilnehmer sollen die Faszination von Forschung, Astronomie und Physik durch eigenständige Beobachtungen erfahren und lernen, dass es elementare Fragestellungen der Physik gibt, die noch durch zukünftige Forschung zu klären sind. Wissenschaftlich tätige Astronomen, Hobby-Astronomen und Funkamateure unterstützen die Schüler während der Praktika. Von Mai bis Oktober bietet der Verein jeden Sonntag um 14.00 Uhr eine Führung durch den Campus an, bei der Besucher auch die weiteren Teleskope der Gesamtanlage kennenlernen. Demonstriert wird die Funktion des 25-m Teleskops, dabei werden radioastronomische Messungen durchgeführt.  Der Astropeiler ist als astronomische Sehenswürdigkeit ein authentischer Ort großer Technikgeschichte und ein Denkmal, das durch das ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitglieder immer wieder mit Leben erfüllt wird. Die Geschichte des Astropeilers wird weitergeschrieben.
von Sammlung Zehnthaus 19. Mai 2025
Gerade zugezogen ins Rheinland möchte man sich doch möglichst bald mit den Sehenswürdigkeiten der Eifel bekannt machen und so plant die Familie einen Ausflug zum Radioteleskop Effelsberg, grobe Karte genügt, Navigationssysteme sind noch unbekannt, wird schon werden. Wir verlassen Odendorf auf der Landstraße 11 Richtung Kirchheim und fahren am Kesselsberg (287 m) südlich der Hardtburg leicht bergan. Gäbe es auf dem Scheitelpunkt der Bergkuppe eine Parkmöglichkeit, so möchte man verweilen, um eine der großartigen Panoramaszenen in der Eifel zu genießen, den Blick in das weite Erfttal um Bad Münstereifel. Auf der anderen Seite des Tals in etwa 10 Kilometer Luftlinie erkennen wir sogleich das Radioteleskop, deutlich abgehoben gegen den Horizont auf der Bergkette. Einen besseren Navigationspunkt kann man sich nicht wünschen, also wird Peilung genommen und die Fahrt geht weiter. Wir passieren Iversheim und dann ist die Landmarke aufgrund der topografischen Verhältnisse nicht mehr sichtbar. Wir fahren im Blindflug, passieren den Schlangenberg und die Kalkkuppen bei Eschweiler, umkurven das Naturschutzgebiet Graumücke, müssen mehrfach umkehren, weil stabile Zäune den Weg versperren, das Radioteleskop kommt nicht in Sicht. Wir geben schließlich auf und bei der Rückfahrt sehen wir auf dem Kesselsberg im Rückspiegel wiederum auf der anderen Talseite das Teleskop am Horizont als Zeichen eines nicht nur gefühlten navigatorischen Missgeschicks. Es sind kenntnisreiche Nachbarn, die uns aufklären. Es handelte sich mitnichten um das Radioteleskop Effelsberg, sondern um den Astropeiler auf dem 435 Meter hohen Stockert, ein idealer Standort zur Beobachtung des Weltraums. Die Radioastronomie als ein Teil der Astronomie ist eine noch recht junge Wissenschaft. Erst 1933 wurde der Nachweis erbracht, dass wir auf der Erde Radiowellen aus der Milchstraße empfangen können. Wenige Jahre später baute ein Nachrichteningenieur einen allseitig schwenkbaren Parabolspiegel mit einem Empfänger im Brennpunkt. Es war das erste universelle Radioteleskop im heutigen Sinne. Der Beschluss zum Bau des Astropeilers wurde von der Universität Bonn gefasst und 1956 umgesetzt. Dieses erste frei bewegliche in Deutschland gebaute Radioteleskop gehörte mit einem Antennendurchmesser von 25 Metern und einem Gewicht von 90 Tonnen zu den größten seiner Art weltweit. Ein gigantisches Kugellager ermöglichte die Drehung nach allen Seiten. Das Sockelgebäude ist pyramidenförmig und steht auf einem Achteck als Grundriss. Darin fanden Antriebstechnik und Messräume ihren Platz. Mit dieser Anlage präsentierte sich die junge Bundesrepublik, der die Alliierten derartige Messungen zunächst untersagt hatten, wieder konkurrenzfähig auf dem internationalen Sektor der Radio-Astronomie bzw. Astrophysik. Bis 1964 wechselten sich zivile und militärischer Forscher bei der wissenschaftlichen Arbeit ab.