Folge 95: Zur Geschichte des Karnevals (1)
Während der Karnevalszeit galten im Mittelalter die normalen gesellschaftlichen Regeln nicht.
Abbildung: Ausschnitt aus dem Gemälde „Kampf zwischen Karneval und Fasten“ nach Hieronymus Bosch.
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Die Wurzeln der Karnevalskultur reichen weit in die Geschichte zurück. Vor etwa 5000 Jahren entstand in Mesopotamien - als sich die ersten Städte entwickelten - eine frühe Form der Narrenzeit. In Babylon feierte man nach Neujahr ein ausgelassenes Fest, das sieben Tage andauerte. Die Menschen verkleideten sich als Dämonen und machten Lärm mit Trommeln und Schellen, um böse Geister zu vertreiben.
Bei diesen frühen Feiern galt das Gleichheitsprinzip. Für kurze Zeit wurden soziale Unterschiede aufgehoben. Sklaven und Herren feierten gemeinsam und tauschten dabei mitunter ihre Rollen. Dieser Gleichheitsgrundsatz ist auch heute ein wichtiger Bestandteil der Karnevalskultur. Die Narrenzeit breitete sich im Laufe der Zeit im gesamten Mittelmeerraum aus. In Ägypten feierte man zu Ehren der Göttin Isis, während in Griechenland dem Gott Dionysos gehuldigt wurde.
Die Römer feierten die Saturnalien zu Ehren ihres Gottes Saturn (lat. Saturnus). Diese Feste waren geprägt von öffentlichen Gelagen und farbenprächtigen Umzügen. Bei den römischen Umzügen wurden geschmückte Schiffswagen durch die Straßen gezogen. Das Werfen von Rosen könnte der Ursprung der heutigen Konfetti-Tradition sein. Ein besonderes Merkmal der Saturnalien war der Rollentausch zwischen Sklaven und Herren. Für kurze Zeit wurden soziale Normen auf den Kopf gestellt. Dieser Brauch spiegelt sich noch heute wider, wenn Menschen in andere Rollen schlüpfen und Hierarchien vorübergehend aufgehoben werden.
Im Mittelalter erlebten die Fastnachtstraditionen eine bemerkenswerte Entfaltung. Vom 12. bis zum 16. Jahrhundert entstanden die sogenannten „Narrenfeste“, die rund um den Epiphaniastag am 6. Januar gefeiert wurden. Diese Feiern fanden ihren Weg in die Kirchen, waren aber nicht kirchlich sanktioniert. Auch hier wurden zeitweilig die Rollen getauscht: Niedere Kleriker schlüpften in die Rollen höherer Geistlicher, was zu einer Umkehrung der üblichen Hierarchie führte. Kirchliche Rituale wurden parodiert, was den Geist des Karnevals widerspiegelte.
Die Stadtbevölkerung wurde durch bunte Prozessionen in die Feierlichkeiten miteinbezogen. Diese Umzüge waren Vorläufer der heutigen Karnevalsumzüge und trugen zur Verbreitung der Fastnachtstraditionen bei. Karnevalsmasken spielten dabei eine zentrale Rolle, sie ermöglichten den Teilnehmern, in andere Rollen zu schlüpfen und soziale Normen zu hinterfragen.
Ein bemerkenswertes Beispiel für die mittelalterlichen Fastnachtstraditionen war der Nürnberger Schembartlauf. Erstmals 1449 schriftlich erwähnt, entwickelte er sich zu einer beliebten Maskentanz-Tradition. Die Teilnehmer zogen durch die Stadt, verspotteten Bürger und spiegelten gesellschaftliche Zustände wider.
Diese mittelalterlichen Bräuche legten den Grundstein für viele der Karnevalstraditionen, die wir heute kennen
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